Bürgermeister


Über die Verwaltung der Stadt (civitas) und die Entstehung des örtlichen Rates liegen bis zum Ende des 14. Jahrhunderts keine Unterlagen vor.

 

Erst 1443 ist ein Rat der Stadt mit zwei Ratsmeistern, mit Ratsmännern und Viertelsmeistern nachweisbar. Das älteste von den Stadtherren mit der Gemeinde vereinbarte Stadtrecht ist von 1440 im Roten Buch enthalten, das auch die Bildung eines Stadtrates erwähnt. In einer Einigung der Ratsmeister mit den Stadtherren war eine Erweiterung des Rates auf acht bis zehn Ratsmänner und die Wahl von Gemeindevor-munden zugestanden worden. Die Wahl der Ratsmitglieder erfolgte jährlich. Aus ihrer Mitte ernannte der Stadtherr den ersten Bürgermeister, den zweiten wählten die "Ratismannen". Für die Zeit vor dem Jahre 1644 sind die Namen und Amtszeiten der Bürgermeister nicht vollständig bekannt. Aus dem 16. Jahrhundert sind jedoch zu nennen: Teubner, Quensel, Otto, Hafergeist, Woche, Stäl, Lüntzsch, Heine, Schönherr, Grefe, von Gera, Bielich, Burckart, Roselt, Koch, Hornig, Zenker, Wirgkmann, Brendel, Mohnhaupt, Kutschbach.

 

Zu Beginn des 17. Jahrhunderts waren in diesem Amt: Lohmer, Stiebritz, Schönherr, Ludwig.

 

Ab 1644 sind die Namen und Amtszeiten der Bürgermeister dann vollzählig bekannt:

1644 - 1659   Christian Rost

1645 - 1649   Ernst Liebeskind

1646 - 1680   Heinrich Klopfleisch

1650 - 1676   Christian Hanf

1656 - 1660   Johann Roselt 

1659 - 1688  Simon Burckhardt

 

Diese Bürgermeister amtierten nicht ununterbrochen, sondern oft im jährlichen Wechsel, wodurch die Überschneidungen der Amtszeiten zu erklären sind. Eine Verfassungsänderung trat durch die Statuten vom 08. September 1671 ein, indem der abgehende Rat den neuen regierenden Rat wählte. Er, wie auch der Stadtschreiber, die Viertels-, Wacht- und Marktmeister bedurften der Bestätigung durch die Universität Jena bzw. das Schloßgericht. Die seit 1672 zuständige Landesregierung von Sachsen-Weimar änderte 1731 die Stadtordnung dahin, daß die zwei Bürgermeister auf Lebenszeit zu wählen waren, aber im jährlichen Wechsel die Amtsgeschäfte des ersten Bürgermeisters zu führen hätten.

 

Eine Bestätigung dieser Statuten erfolgte allerdings erst 1737. Die genaue Zusammensetzung des Stadtrates ist erst aus dieser Zeit nachweisbar. Er bestand aus 2 Bürgermeistern, 2 Beisitzern, 1 Stadtschreiber und vier Viertelmeistern.

Aus archivalischen Quellen im Kreisarchiv ist auch ersichtlich, wer zu welchen Zeiten nach Roselt und Burckardt das Amt des Bürgermeisters in Apolda ausübte:

 

1678 - 1686  Heinrich Gerlach

1681 - 1702  Wilhelm Müller

1687 - 1715  J. Heinrich Läger

1688 - 1702  J. Heinrich Rost

1700 - 1722  Christian Martin Reintopf

1702 - 1717  J. Wilhelm Sonnenschmidt

1716 - 1728  J. Georg Edler

1717 - 1724  Zacharias Wislicenus

1724 - 1749  Christian König

1724 - 1728  Christian Dietrich

1724 - 1728  J. Andreas Thierbach

1728 - 1735  J. Ernst Baumann

1728 - 1731  J. Chr. Müller

1731 - 1735  J. Wilhelm Sonnenschmidt

1737 - 1740  Georg Werner

1738 - 1741  J. Wilhelm König

1740 - 1746  Heinrich Sal. Quensel

1746 - 1748  Wolfgang Georg Helmhausen

1749 - 1782  J. Wilhelm Schmidt sen.

1754 - 1757  J. Michael Güntzel

1754 - 1757  Friedrich August Müller

1765 - 1780  J. Ernst Müller sen.

1776 - 1806  J. Friedlin Schmidt

1783             Ernst Müller sen.

1783 - 1793  Gotth. Fr. Müller jun.

1792 - 1804   Wilhelm Näder

1805 - 1008   Chr. Friedrich Tröbst

1806 - 1814   Fr. Wilhelm Voigt

1808-1845    J. Carl Chr. Schmidt

1815             Karl Burckhardt

1845 - 1848  Gottfried Müller

1848 - 1850  Gotthilf Junge sen.

 

Das war zugleich der letzte regierende Bürgermeister gemäß der Stadtordnung von 1731/37. Die für die einzelnen Städte des Großherzogtums bestehende Stadtordnung hob die Regierung durch die landeseinheitliche Gemeindeordnung vom 22. Februar 1850 auf. Seit dieser Zeit das Amt des ersten (früher regierenden) Bürgermeisters hauptamtlich mit einem berufsmäßig vorgebildeten Bürgermeister besetzt. Bis zum genannten Zeitpunkt wurden die städtischen Ämter, bis auf das Stadtschreiberamt ehrenamtlich verwaltet.

 

Der Ordnung vom 22. Februar 1850 folgte am 18. Januar 1854 die revidierte Gemeindeordnung und eine weitere Gemeindeordnung vom 24. Juni 1874. Nach Gotthilf Junge sen. waren als erste Bürgermeister im Amt:

 

1850 - 1861  Gustav Franke

1862 - 1868  Theodor Schenk

1869 - 1871  Dr. H. Mentz

1871 - 1877  Gustav Francke.

 

Nach der neuen Gemeindeordnung vom 24. Juni 1874 war für Apolda eine beschließende Körperschaft, der Gemeinderat, mit 18 Vertretern durch die wahlberechtigte Bevölkerung auf 3 Jahre zu wählen.

Die aus allen wahlberechtigten Bürgern bestehende Gemeindeversammlung wählte den Gemeindevorstand, den ersten und zweiten Bürgermeister als hauptamtliche Person und einen Stadtältesten, einen Stadtschreiber, vier Bezirksvorsteher sowie vier Deputierte der Bezirke als nebenamtliche Bedienstete auf die Dauer von 6 Jahren. Als erster Bürgermeister war alsdann vom 3. Januar 1878 bis 23. April 1888 Julius Schrön tätig. Er erwarb sich besondere Verdienste um die Erweiterung der Schötener und Herressener Promenade, auch wenn dazu bei einigen notwendigen Maßnahmen anfangs das rechte Verständnis fehlte. Ihm zu Ehren, gewissermaßen als dem Begründer der Schötener Promenade, wurde einst eine Erinnerungstafel mit kleiner Wasserkunst in dieser Promenade geschaffen, die allerdings nicht erhalten blieb.

 

Außerdem trug der Platz am Eingang zur Schötener Promenade vom 05. November 1908 bis 31. März 1978 die Bezeichnung "Schrönplatz". In seine Amtszeit fielen ferner die Einweihung der damaligen Mädchenbürgerschule im ehemaligen Fabrikgebäude von Christian Zimmermann und Sohn in der Ritterstraße, die Erbauung der Städtischen Turnhalle 1884 in der ehemaligen Ernst Hohmann-Straße sowie auch der Bau der Oetterner Wasserleitung nach Apolda in den Jahren 1887/88.

 

Die weiteren ersten Bürgermeister waren :

1888 - 1890  Friedrich August Eupel

1890 - 1896  Oskar Stechow

1896 - 1900  Dr. Georg von Fewson

 

Es erfolgte eine abermalige Änderung der Verfassung durch die Gemeindeordnung vom 17. April 1895, welche die Einführung der Magistratsverfassung ermöglichte. Die Gemeindeversammlung wählte den Gemeindevorstand, er war jedoch lediglich ausführendes Organ des beschließenden Gemeinderates. Von 1901 hatte Ernst Stegmann das Amt des "ersten Bürgermeisters" inne. Ihm wurde im Jahre 1906 vom Großherzog der Titel "Oberbürgermeister" verliehen. Ernst Stegmann war parteilos, und es gab gar manche Kontroversen mit ihm im Gemeinde - bzw. Stadtrat, wie aus der damaligen Apoldaer Tagespresse zu entnehmen ist. Dennoch erwarb er sich im Laufe seiner jahrzehntelangen Amtszeit, wie schon früher Julius Schrön, Verdienste um den weiteren Ausbau der beiden Promenaden, wie zum Beispiel die Anlegung des Lohteiches 1912/1913, oder den unter wesentlichem Verdienst des damaligen Verschönerungsvereins angelegten Friedensteich 1924/1926. Genannt seien aus seiner Amtszeit weiterhin Neubauten wie das Stadthaus (Kreisleitung der SED, Stadthaus) 1908-1910, das ehemalige Lyzeum (Friedrich Engels-Schule, Schule am Schötener Grund) 1913-1914, das Stadtbad 1921-1922, das Sparkassengebäude 1925-1926, das ehemalige Finanzamtsgebäude Stobraer-Straße 2 (Krankenhaus) 1926-1927, die Theodor Neubauer Schule 1928-1930 sowie etliche Wohn - und Siedlungshäuser 1905-1914 und 1920-1933.

 

1934 wurde er zur Niederlegung seines Amtes durch die NSDAP gezwungen.

Trotz hohen Alters und angegriffener Gesundheit stellte er sich nach 1945 zum Neuaufbau zu Verfügung und war noch mit 78 Jahren als Landgerichtsrat 1948 im Landgericht Weimar tätig.

 

Mit der Einführung der thüringischen Gemeinde - und Kreisordnung vom 20. Juli 1922 fiel die Gemeindeversammlung weg, und es gab nur noch den Stadtrat als beschließendes und den Stadtdirektor als ausführendes Organ.

Nach der neuen Gemeinde - und Kreisordnung vom 08. Juli 1926 wurde der Stadtrat mit 25 Vertretern auf 4 Jahre durch die Bevölkerung und der Oberbürgermeister (für Stadtkreise) mit zwei hauptamtlichen und einem nebenamtlichen Beigeordneten auf 6 Jahre durch den Stadtrat gewählt.

Die deutsche Gemeindeordnung von 1935 beseitigte, nachdem 1934 alle Vertreter der Arbeiterparteien ausgeschlossen waren, die parlamentarische Verwaltungsform. Der allein verantwortliche Oberbürgermeister und die 3 hauptamtlichen Beigeordneten wurden vom Beauftragten der NSDAP ernannt wie auch die 18 Ratsherren, sie hatten nur beratende Funktionen. So wurde am 26. Juli 1934 Julius Dietz als Oberbürgermeister für die Stadt Apolda von der NSDAP eingesetzt.

 

Nach der Kampflosen Übergabe der Stadt an die amerikanischen Truppen am 12. Mai 1945, ersetzte der Militärkommandant den Oberbürgermeister, den Bürgermeister und den Dienstellenleiter durch antifaschistische Personen.

Zunächst wurde am 23. April 1945 Friedrich Maul als Oberbürgermeister eingesetzt. Ihm folgte am 03. Juni 1945 der Brauereidirektor Walter Lührs und am 08. Oktober 1945 Johannes Berger, welcher bis zum 31. Oktober 1946 Oberbürgermeister war.

Am 02 Juli 1945 kamen sowjetische Truppen nach Apolda. Bei der ersten Wahl nach 1945, wählten die Apoldaer am 08. September 1946 insgesamt 30 Mitglieder antifaschistischer Parteien für die Stadtversammlung als höchstes Organ der Stadt Apolda.

Entsprechend der neuen, demokratischen Gemeindeverfassung des Landes Thüringen wählte die Stadtverordnetenversammlung den Oberbürgermeister, den Bürgermeister und zwei Stadträte.

 

Nach Johannes Berger folgten als weitere Oberbürgermeister:

1947-1948 Kurt Meyn

1948-1950 Kurt Sparschuh.

 

Mit der Aufhebung des Stadtkreises Apolda und der Eingliederung in den Landkreis Weimar bzw. in den später gebildeten Landkreis Apolda, gab es ab 01. Juli 1950 in Apolda, wie in jeder anderen kreisangehörigen Stadt, einen Bürgermeister an der Spitze des Rates. In dieser Funktion wurden durch die Stadtverordnetenversammlung gewählt:

 

1950 - 1953  Wilhelm Tischer

1953 - 1955  Anton Lifka

1955 - 1959  Kurt Koch

1959 - 1963  Rudi Doye

1963 - 1983  Hans Reichert

1983 - 1985  Elke Brauer

1985 - 1989  Gerhard Brauer

1989 - 1990  Jürgen Goller

1990 - 2006   Michael Müller

2006 -           Rüdiger Eisenbrand

Auch für die gegenwärtige Entwicklung unserer Kreisstadt trägt der Bürgermeister eine hohe Verantwortung.